Venus Roller

VENUS
die Prinzessin mit den schnellen Flügeln aus Donauwörth

Anlass für das Oldtimertreffen war die Ausstellung “Venus-Roller. Eine Donauwörther Firma in der Wirtschaftswunderzeit”.

Venus Damenroller

Zu Beginn der 1950er Jahre wollten die Deutschen die Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges schnell vergessen, sie be-gannen die Freiheit der Mobilität zu ent-decken.

Schätzte man sich nach der Währungs-reform 1948 noch glücklich, ein eigenes Fahrrad zu besitzen, so setzte nun ein immenser Ansturm auf motorisierte Zwei-räder ein.

Aus Italien kam die unglaubliche Kunde von einem eleganten und wendigen Gefährt, der Wespe (Vespa) aus Pontedera, die dort seit 1946 nicht nur zu einem flotten Fort-bewegungsmittel, sondern in zunehmenden Maß Ausdruck eines Lebensgefühls geworden war.

GeschichteIdeenreiche Konstrukteure und Unter-nehmer erkannten die Gunst der Stunde und erhofften sich ihren Anteil an der steigenden Beliebtheit motorisierter Roller.

In Donauwörth präsentierte Anfang 1953 der 23 jährige Curt Würstl seinen Venus-Roller, mit dem er gegen die Marktführer anzutreten gedachte. Er hatte sich seine Sporen bereits mit seinem „Nordschwäbi-schen Fahrradhandel“ verdient; nun wollte er Neuland erobern.

Tatsächlich boomte zunächst die Produktion. Die Fahrzeuge waren auch außerhalb der Grenzen Bayerns und Deutschlands gefragt und beliebt.

die liebe Konkurenz

Doch schneller als befürchtet ging die große Zeit der Zweiräder ihrem Ende entgegen. Mit wachsendem Lebens-standard bevorzugten die Bundesbürger das Auto. Während die großen Roller-Fabrikanten (Glas, NSU, Vespa, Zündapp,...) Überlebensreserven besaßen, drohte kleineren Firmen bald das Aus.

Die Venus GmbH wurde um die Jahres-wende 1954/55 von der WMD (Waggon-und Maschinenfabrik Donauwörth) über-nommen, die geregelte Produktion etwa Mitte 1955 eingestellt. Jedoch aus noch vorhandenen Teilen wurden bis 1956 weitere Roller gebaut und verkauft. Insgesamt waren es wohl um 3500 Fahr-zeuge, eine durchaus ansehnliche Zahl.
Donauwörth aber war nur für eine kurze Zeit vergönnt, Produktionsstätte eines „Massenverkehrsmittels“ zu sein...

Franz Katzl

Modellpalette:

Venus DS 100

Der „Damenroller“ Venus DS 100 („S“ steht für Sachs-Motor) besitzt ein 98 ccm – Herz mit 3 PS Leistung und wurde als „deutscher Damenroller Nr.1“ oder „Prototyp“ eines modernen Nahverkehrsmittels der Frau“ angepriesen.

Da hierfür zunächst nur ein total veralteter Jlo-Motor zur Verfügung stand, wurde seine Fertigung erst später (1954) durch die WMD aufgenommen. Die Produktion konnte daher anfänglich nicht allen Aufträgen gerecht werden. Die „Geburtsstätte“ dieses Rollers war eine Baracke hinter der Sporthalle an der Zirgesheimer Straße.

Der Damenroller wandte sich mit seinen nur 65 kg Gewicht (andere wohl realistischere Angabe: 89 kg) gezielt an weibliche Kunden.

Die DS 100 war ein Erfolgsmodell. Unterschiedlich sind die Aussagen über ihre Produktionsziffern. Eine Angabe nennt etwa 1500 produzierte Damenroller, eine andere Quelle vermutet von den etwa 3500 insgesamt hergestellten Rollern ein Drittel an 100er-Fahrzeugen. Von den „überlebenden“ Venus-Modellen sind ein Großteil 100er Roller.

Der „größere Bruder“ (MS 150) mit 6,5 PS wurde als „Herrenroller“ angepriesen, „mit seiner sportlichen Note, seinem Temperament und rasanten Abzugs-vermögen, das zweckvolle Universal-fahrzeug des Herrn“.

Diesem Gefährt war allerdings kein großer Erfolg geschieden; seine Produktion wurde bald eingestellt.

Sehr gefragt waren dagegen die seiten-wagentaugliche MS 175 mit 9 PS, „der starke Langstreckenroller“.

An manchen Tagen fertigten die Mit-arbeiter über 30 Stück. Insgesamt dürften von diesem Typ 1500 bis 2000 Fahrzeuge das Band verlassen haben.

Venus MS 150

Die Arbeit bestand eigentlich in der Montage der Teile, die bei den verschiedensten Herstellern geordert worden waren. Neben örtlichen Firmen (z. B. fertigte das Jotha-Werk anfangs Vorderachs-Gabeln, später wurden diese von Kronprinz geliefert) steuerte die Firma Zeuna Karosserie, Tanks und zunächst Rahmen bei. Später übernahm die WMD den Bau der Rahmen.

Motor von Sachs

Von Magura stammten Lenker und Zubehör, Denfeld lieferte die Sitze, aus dem Haus Hella kam die Beleuchtung und die Reifen trugen die Namen Dunlop und Fulda.

Alle Roller besaßen einen Einrohrrahmen, rundliche Karosserie und Acht-Zoll-Räder.

Der 175er Roller konnte gegen Aufpreis mit einem elektrischen Anlasser erworben werden.

Die Fahrzeuge wurden in den damals modischen Farben BEIGE, ROSENHOLZ oder PATINAGRÜN angeboten.

Der Verkauf der Roller erfolgte vornehmlich im gesamten Bundesgebiet.

Die Spedition Kube (Köln) konnte in einem speziell ausgestatten Transporter die Fahrzeuge einer Tagesfertigung verladen und zu den Händlern ins Ruhrgebiet bringen.

Prospekt

Interessanterweise waren die Ver-kaufszahlen des Venus-Rollers in Nordrhein-Westfalen am höchsten. Es folgten Bayern und Baden-Württemberg. In der Bundesrepublik insgesamt waren ca. 2400 Venus-Fahrzeuge registriert.

Ausländische Abnehmer fanden sich vor allem in den Beneluxstaaten und in Skandinavien. Frankreich kam auf Grund seiner harten Einfuhrbestim-mungen als Exportland kaum in Frage.

Sachs
Originaldokumente

Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind noch ca. zehn Roller der Marke Venus registriert, der Gesamtbestand an noch existierenden Rollern wird auf 30 Stück geschätzt.
Wer Kenntnisse über den Standort von Venus-Rollern hat, oder vielleicht selbst einen besitzt, darf uns ruhig eine
E-Mail schreiben.

Hier eine kleine Übersicht:

Modell

DS 100

MS 150

MS 175

Motor

97 ccm, F&S,
1 Zylinder, Zweitakt

147 ccm, F&S,
1 Zylinder, Zweitakt

174 ccm, F&S,
1 Zylinder, Zweitakt

Leistung

2,7 PS

6,5 PS

9,5 PS

Gewicht

89 kg

135 kg

120 kg

Höchstgeschw.

55 km/h

90 km/h

90 km/h

Bauzeit

1954 - 1955

1953 - 1955

1953 - 1955

Preis

995 ,- DM

1590 ,- DM

1690 ,- DM

Die Daten für obige Tabelle wurden uns freundlicherweise von den Schmallenberger Oldie-Roller Freunden überlassen.

Alle Bilder aus der Ausstellung “Venus - Roller Eine Donauwörther Firma in der Wirtschaftswunderzeit” im Haus der Stadtgeschichte in Donauwörth (27.09.2003 - 31.08.2004)
(C) Peter Hurle

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